Ernährung nach der Magenverkleinerung

Dieser Ratgeber erklärt Ihnen Schritt für Schritt Ihre Ernährung nach der Operation und führt Sie durch alle Phasen, von der Flüssigphase bis zum Übergang zu normaler Kost.

Einleitung

Die Ernährung nach der Magenverkleinerung ist sehr wichtig, um einen reibungslosen Heilungsverlauf zu gewährleisten und Ihnen den Übergang zu fester Nahrung zu erleichtern.

Ihre Ernährung nach der Operation besteht aus 4 Phasen:

  • Flüssigphase (1. und 2. Woche)
  • Breiphase (3. und 4. Woche)
  • Weiche Phase (5. und 6. Woche)
  • Normale Kost (ab der 7. Woche)

Der Kostaufbau hat folgende Ziele:

  • dem Magen Zeit zur Heilung geben
  • eine ausreichende Eiweiß- und Flüssigkeitszufuhr sicherstellen
  • Ihnen helfen, sich an die kleine Größe Ihres neuen Magens zu gewöhnen
  • Ihnen helfen, neue Essgewohnheiten zu entwickeln
  • Ihnen helfen, Gewicht zu verlieren und nicht wieder zuzunehmen
  • Sie vor Nebenwirkungen und Komplikationen schützen

Überspringen Sie deshalb keine Phase.

Die Dauer der Phasen kann unterschiedlich sein, abhängig von Ihrem Heilungsverlauf und davon, wie schnell Sie sich an die Ernährungsumstellung gewöhnen. Sie können sich für eine Phase auch mehr Zeit nehmen. Das ist normal. Gehen Sie nicht in die nächste Phase über, bevor Sie sich bereit fühlen.

Wenn Sie zu schnell in eine Phase übergegangen sind und Probleme haben, kehren Sie in die vorherige Phase zurück, und halten Sie sich noch einige Tage an diese Phase.

Phase 1: Flüssigphase (1. Woche)

In der ersten Woche ist es sehr wichtig, ausreichend Flüssigkeit und Eiweiß zu sich zu nehmen, um Ihren Körper bei der Heilung zu unterstützen. Alle Flüssigkeiten in dieser Phase müssen völlig glatt sein und dürfen keine Stückchen enthalten.

Darauf sollten Sie achten

  • Ihre Getränke sollten Zimmertemperatur haben.
  • Trinken Sie in kleinen Schlucken, immer wieder über den Tag verteilt.
  • Steigern Sie die Menge langsam, wenn Sie sich dabei wohlfühlen.
  • Hören Sie sofort auf, sobald Sie satt sind. Mehr belastet Ihren Magen und kann zu Schmerzen, Übelkeit oder Erbrechen führen.
  • Versuchen Sie, täglich 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit zu trinken.
  • Tragen Sie Ihre Wasserflasche den ganzen Tag bei sich. So vergessen Sie das Trinken nicht.
  • Legen Sie sich nach dem Trinken 30 bis 45 Minuten nicht hin. Bleiben Sie aufrecht sitzen, oder machen Sie einen Spaziergang. Liegen kann die Übelkeit verstärken.

Ihr Eiweißpräparat ist in dieser Phase Ihre wichtigste Nährstoffquelle. Beginnen Sie so früh wie möglich nach der Operation damit, am besten ab dem 2. Tag. Mischen Sie täglich 1 Beutel mit Wasser oder laktosefreier Milch, und verteilen Sie die Menge über Ihre Mahlzeiten.

Vergessen Sie nicht, die von Ihrem Arzt und Ihrer Ernährungsberaterin empfohlenen Vitamin- und Mineralstoffpräparate einzunehmen.

Das dürfen Sie trinken

  • Wasser. Für etwas Geschmack können Sie eine Scheibe Obst hineingeben.
  • Ungesüßter Tee
  • Koffeinfreier Kaffee
  • Selbst gekochte Hühner-, Fleisch- oder Gemüsebrühe (passiert)
  • Laktosefreie Milch oder ungesüßte Pflanzendrinks (wenn sie Ihnen schwer im Magen liegen, verdünnen Sie sie mit Wasser)
  • Laktosefreier Kefir oder Ayran
  • Laktosefreie Proteinmilch
  • Verdünnte ungesüßte Fruchtsäfte

Geben Sie bei der Zubereitung Ihrer Brühe keine Gewürze oder Soßen hinzu. Für den Geschmack können Sie Gemüse hinzugeben, vergessen Sie aber nicht, es anschließend abzusieben.

Das sollten Sie vermeiden

  • Kohlensäurehaltige Getränke
  • Alkohol
  • Zuckerhaltige Getränke
  • Zitrusfruchtsäfte wie Orangen-, Zitronen- und Grapefruitsaft
  • Kräutertee

Beispiel für einen Speiseplan

Frühstück 1 Beutel Eiweißpräparat (über die Mahlzeiten verteilen)
Zwischenmahlzeit 1 Glas verdünnter Fruchtsaft oder Kefir
Mittagessen 1 Glas Hühner- oder Fleischbrühe
Zwischenmahlzeit 1 Glas laktosefreie Milch oder Pflanzendrink
Abendessen 1 Glas Hühner- oder Fleischbrühe
Zwischenmahlzeit 1 Glas laktosefreie Milch oder Pflanzendrink

1 Glas = etwa 200 ml.

Phase 1: Flüssigphase (2. Woche)

In dieser Woche gehen Sie zu dickflüssigeren Lebensmitteln über. Suppe ist jetzt Ihre Hauptmahlzeit. Ziel ist es, Ihren Magen auf pürierte Lebensmittel vorzubereiten.

Alle Regeln der 1. Woche gelten auch in dieser Woche. Ihre Getränke können Sie jetzt unverdünnt trinken.

Das dürfen Sie trinken

  • Fleisch-, Hühner- oder Gemüsesuppe. Pürieren Sie das Gemüse zusammen mit der Fleisch- oder Hühnerbrühe, bis alles ganz glatt ist.
  • Smoothie. Pürieren Sie laktosefreie Milch oder einen Pflanzendrink mit zuckerarmen Früchten wie Erdbeeren und grünem Apfel. Sie können Joghurt oder Proteinpulver hinzugeben, um den Eiweißgehalt zu erhöhen.
  • Laktosefreie Milch oder ungesüßte Pflanzendrinks (wenn sie Ihnen schwer im Magen liegen, verdünnen Sie sie mit Wasser)
  • Laktosefreier Kefir oder Ayran
  • Laktosefreie Proteinmilch
  • Ungesüßte Fruchtsäfte

Beispiel für einen Speiseplan

Frühstück 1 Glas laktosefreie Milch oder Pflanzendrink + 1 Beutel Eiweißpräparat (über die Mahlzeiten verteilen)
Zwischenmahlzeit 1 Glas Fruchtsaft oder Kefir
Mittagessen 1 Glas glatt pürierte Suppe
Zwischenmahlzeit 1 Glas laktosefreie Milch, Smoothie oder Fruchtsaft
Abendessen 1 Glas glatt pürierte Suppe
Zwischenmahlzeit 1 Glas laktosefreie Milch oder Pflanzendrink

1 Glas = etwa 200 ml.

Phase 2: Breiphase (3. und 4. Woche)

Ab der dritten Woche können Sie mit pürierten Lebensmitteln beginnen. In dieser Phase müssen alle Speisen eine joghurtähnliche Konsistenz haben und dürfen keine Stückchen enthalten. Um eine ganz glatte Konsistenz zu erreichen, brauchen Sie einen Mixer oder eine Küchenmaschine.

Essen Sie täglich 3 Hauptmahlzeiten und 3 Zwischenmahlzeiten. Beginnen Sie Ihre Mahlzeiten mit kleinen Portionen. Steigern Sie die Menge langsam, wenn Sie sich dabei wohlfühlen. Essen Sie langsam, und nehmen Sie sich für jede Mahlzeit 20 bis 30 Minuten Zeit. Hören Sie auf zu essen, sobald Sie satt sind oder sich unwohl fühlen.

Bevorzugen Sie eiweißreiche, ballaststoffreiche und kalorienarme Lebensmittel. Essen Sie bei jeder Mahlzeit zuerst das Eiweiß. Ihr Eiweißpräparat ist jetzt Ihre Zwischenmahlzeit.

Das dürfen Sie essen

  • Mageres Hackfleisch, Hähnchen und Fisch
  • Eier
  • Hüttenkäse
  • Joghurt
  • Kartoffeln
  • Gekochtes Gemüse ohne Schale
  • Weiches Obst ohne Kerne oder Schale

Bereiten Sie Ihre Speisen gekocht, gedämpft, im Backofen oder gegrillt zu. Braten und frittieren Sie nicht. Wenn Ihr Püree zu trocken oder zu fest ist, geben Sie etwas Brühe, Milch oder Kochwasser hinzu. So wird Ihr Püree weicher.

Beispiel für einen Speiseplan

Frühstück Rührei oder Haferbrei und Hüttenkäse
Zwischenmahlzeit 1 Glas laktosefreie Milch oder Pflanzendrink + 1 Beutel Eiweißpräparat
Mittagessen 2 bis 3 Esslöffel Püree (Gemüse + Hackfleisch oder Hähnchen) + Joghurt
Zwischenmahlzeit 2 bis 3 Esslöffel Joghurt mit Obst (im Mixer püriert)
Abendessen 2 bis 3 Esslöffel Fisch- oder Hackfleischpüree
Zwischenmahlzeit 1 Glas laktosefreie Milch oder Smoothie

1 Glas = etwa 200 ml.

Phase 3: Weiche Phase (5. und 6. Woche)

Nachdem Sie die Breiphase abgeschlossen haben, können Sie zu weichen Lebensmitteln übergehen. Sie müssen Ihre Speisen jetzt nicht mehr pürieren. Alle Ihre Speisen müssen so weich und gut gekocht sein, dass sie sich leicht mit der Gabel zerdrücken lassen.

Bevor Sie in diese Phase übergehen, stellen Sie sich folgende Fragen:

  • Nehme ich genug Eiweiß zu mir?
  • Nehme ich genug Flüssigkeit zu mir?
  • Vertrage ich meine Mahlzeiten ohne Übelkeit, Erbrechen oder Verstopfung?
  • Kann ich gründlich kauen und langsam essen?

Wenn Sie eine dieser Fragen mit Nein beantworten, nehmen Sie sich Zeit. Bleiben Sie noch einige Tage bei pürierter Kost.

Beginnen Sie bei Fleisch und Hähnchen mit Hackfleisch. Wenn Sie das gut vertragen, können Sie zu kleinen, in Würfel geschnittenen Fleischstücken übergehen. Wenn es Ihnen schwerfällt, kehren Sie zum Hackfleisch zurück. Gewöhnen Sie sich in dieser Phase daran, jeden Bissen gründlich zu kauen.

Eiweiß sollte im Mittelpunkt Ihrer Mahlzeiten und Zwischenmahlzeiten stehen. Essen Sie deshalb bei jeder Mahlzeit zuerst das Eiweiß. Versuchen Sie, zwischen den Mahlzeiten eiweißreiche Flüssigkeiten zu trinken. Hören Sie sofort auf zu essen, sobald Sie satt sind oder sich unwohl fühlen.

Sie können jetzt schrittweise von laktosefreier Milch auf normale Milch umstellen. Bevorzugen Sie möglichst entrahmte oder fettarme Milch.

Das dürfen Sie essen

  • Mageres Hackfleisch, Hähnchen und Fisch
  • Eier
  • Hüttenkäse
  • Kartoffeln
  • Reis und Nudeln
  • Gekochtes Gemüse ohne Schale
  • Weiches Obst ohne Kerne oder Schale

Das sollten Sie vermeiden

Vermeiden Sie harte Lebensmittel, Lebensmittel mit Schale und alles, was schwer zu kauen ist oder sich nicht leicht mit der Gabel zerdrücken lässt.

  • Rohes Gemüse (z. B. Sellerie, Spargel, Brokkoli)
  • Zuckermais und Popcorn
  • Nüsse und Kerne
  • Getrocknete Früchte
  • Harter Käse
  • Hartes oder zähes Fleisch (z. B. Steak)

Beispiel für einen Speiseplan

Frühstück Omelett, Rührei oder Haferbrei + fettarmer weicher Käse
Zwischenmahlzeit 1 Glas entrahmte Milch oder Pflanzendrink + 1 Beutel Eiweißpräparat
Mittagessen 2 kleine Frikadellen oder Hähnchen + 3 bis 4 Esslöffel Gemüse
Zwischenmahlzeit 3 bis 4 Esslöffel Joghurt mit Obst oder Kefir
Abendessen 3 bis 4 Esslöffel Fisch oder Hackfleisch, gedämpft oder gegrillt
Zwischenmahlzeit 1 Glas entrahmte Milch oder Smoothie mit Pflanzendrink

1 Glas = etwa 200 ml.

Phase 4: Normale Kost (ab der 7. Woche)

Nach dem sechswöchigen Kostaufbau können Sie schrittweise mit normaler Kost beginnen.

Essen Sie weiterhin 3 Hauptmahlzeiten pro Tag. Lassen Sie zwischen den Mahlzeiten nicht mehr als 4 bis 5 Stunden Abstand. Wenn Sie zwischen den Mahlzeiten Hunger haben, wählen Sie einen nahrhaften Snack, zum Beispiel ein Stück Obst, einen Proteinjoghurt oder ein Glas entrahmte Milch.

Um sich an kleinere Portionen zu gewöhnen, nutzen Sie für Ihre Mahlzeiten einen kleinen Teller. Die Hälfte Ihres Tellers sollte aus eiweißreichen Lebensmitteln bestehen, ein Viertel aus Gemüse oder Salat und ein Viertel aus Kohlenhydraten. Essen Sie zuerst das Eiweiß, dann das Gemüse und zuletzt die Kohlenhydrate. Hören Sie auf zu essen, bevor Sie ganz satt sind.

Probieren Sie neue Lebensmittel einzeln aus. Wie gut Sie ein Lebensmittel vertragen, kann davon abhängen, wie Sie es kauen, kochen und zubereiten. Wenn Sie ein Lebensmittel nicht vertragen, warten Sie mindestens eine Woche. Versuchen Sie es dann erneut.

Allgemeine Empfehlungen

In allen Phasen der Ernährung nach der Magenverkleinerung sollten Sie auf Folgendes achten:

  • Stellen Sie sicher, dass Sie genug Eiweiß zu sich nehmen.
  • Essen Sie bei jeder Mahlzeit zuerst das Eiweiß.
  • Nehmen Sie kleine Bissen, essen Sie langsam, und kauen Sie gründlich. Nehmen Sie sich für jede Mahlzeit 20 bis 30 Minuten Zeit.
  • Hören Sie auf zu essen, sobald Sie satt sind oder sich unwohl fühlen.
  • Lassen Sie keine Mahlzeit aus. Essen Sie regelmäßig, auch wenn Sie keinen Hunger haben.
  • Trinken Sie während des Essens nichts. Hören Sie 30 Minuten vor dem Essen auf zu trinken. Warten Sie nach dem Essen 30 Minuten, bevor Sie wieder etwas trinken.
  • Versuchen Sie, täglich 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit zu trinken.
  • Vermeiden Sie Süßigkeiten und Zucker.
  • Verzichten Sie auf Alkohol und kohlensäurehaltige Getränke.
  • Vermeiden Sie verarbeitete und verpackte Lebensmittel.

Bei jedem Menschen ist der Verlauf anders. Ein Lebensmittel, das andere Patient:innen gut vertragen, kann bei Ihnen Beschwerden verursachen. Während andere früher in die nächste Phase übergehen, brauchen Sie vielleicht mehr Zeit. Das alles ist normal. Vergleichen Sie sich nicht mit anderen, und konzentrieren Sie sich auf Ihren eigenen Verlauf.

Diese Regeln können Ihnen manchmal schwerfallen. Aber jede einzelne ist für Ihre Gesundheit und Ihren langfristigen Erfolg da. Je genauer Sie auf Ihre Ernährung achten, desto gesünder nehmen Sie ab und desto besser halten Sie Ihr erreichtes Gewicht.

Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen der Magenverkleinerung entstehen meist, wenn die Ernährungsregeln nach der Operation nicht eingehalten werden. Wenn Sie zu viel essen oder Lebensmittel zu sich nehmen, die Sie meiden sollten, können einige Nebenwirkungen auftreten. Dazu gehören:

Verstopfung

Sie entsteht meist durch die plötzliche Ernährungsumstellung, Bewegungsmangel und eine ballaststoffarme Ernährung. Wenn Sie Verstopfung haben, stellen Sie sicher, dass Sie genug Flüssigkeit trinken. Nehmen Sie ballaststoffreiche Lebensmittel und Probiotika in Ihren Speiseplan auf.

Erbrechen

Die häufigsten Ursachen für Erbrechen nach der Operation sind:

  • zu schnell essen
  • zu viel essen
  • nicht gründlich kauen
  • Lebensmittel essen, die nicht zu Ihrer Phase passen

Wenn Sie erbrechen, essen Sie einige Stunden lang nichts. Trinken Sie Flüssigkeit in kleinen Schlucken. Essen Sie bei den nächsten Mahlzeiten langsamer, und verkleinern Sie Ihre Portionen. Wenn das Erbrechen wieder auftritt, kehren Sie in die vorherige Phase zurück, und halten Sie sich einige Tage an diese Phase.

Dumping-Syndrom

Das Dumping-Syndrom entsteht, wenn zu viel Nahrung zu schnell vom Magen in den Dünndarm gelangt. Es tritt meist nach einer Magenbypass-OP auf, wenn zucker- und fettreiche Lebensmittel gegessen werden. Die häufigsten Symptome sind:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Schwitzen
  • Schwindel

Um dem Dumping-Syndrom vorzubeugen, vermeiden Sie zucker- und fettreiche Lebensmittel. Essen Sie langsam, und trinken Sie während des Essens nichts.

Wenn eine dieser Nebenwirkungen bei Ihnen auftritt und anhält, obwohl Sie auf die Ernährungsempfehlungen achten, wenden Sie sich unbedingt an Ihre Ernährungsberaterin oder Ihren Arzt.